Worauf warten die Bewerber?

Nach über 20 Jahren in verschiedenen HR-Funktionen hängte Jörg Buckmann 2015 seinen Job als Personalchef der Verkehrsbetriebe Zürich an den berühmten Nagel. Seither widmet er sich dem Thema, für welches er über die Jahre viel Leidenschaft entwickelt hat: Der Personalwerbung. Er unterstützt Firmen und Behörden, die sich auf dem Arbeitsmarkt mehr Gehör verschaffen und für Talente attraktiv sein wollen. Er tut dies jenseits des üblichen Beratergehabes: Lustvoll, engagiert und immer mit einer guten Portion Humor. Ausserdem ist er in seinem Themengebiet ein gefragter Speaker, führt Workshops durch und schreibt Bücher.

Immer mehr Unternehmen leiden unter fehlendem Personal. Neue Mitarbeiter werden hauptsächlich über Wechselbereitschaft gewonnen. Was sehen Sie auf Unternehmen zukommen?


Es dürfte für die Unternehmen noch schwieriger werden, denn die Schere zwischen jungen Menschen, die in die Arbeitswelt eintreten und jenen, die gleichzeitig in den Ruhestand treten, klafft immer dramatischer auseinander. Die Nachfrage an Talenten steigt somit weiter, auch wenn vielleicht die Konjunktur in den nächsten Jahren etwas abkühlen wird. Und zumindest kurzfristig werden Automatisierung, Digitalisierung und Robotik kaum für eine Abkühlung in Form von weniger Arbeitsplätzen sorgen – Studien zeigen, dass diese dann halt einfach anderswo in Form neuer Berufsbilder entstehen. 


Wie können Unternehmen dem Personalkannibalismus entkommen?


Sicher indem Sie versuchen, ihre (guten) Mitarbeitenden so lange wie möglich im Unternehmen zu halten. Mit dem Aufzeigen von Perspektiven, guten Bildungsmöglichkeiten, flexiblen Arbeitszeitmodellen und einer Kultur, in welcher man sich einfach gerne engagiert, wo man sich unterstützt und wo gelacht wird. Humor ist ein wesentlicher Faktor im Business – schade, dass er so wenig gepflegt wird. Naja, mancherorts eher unfreiwillig, zum Beispiel in Form von geradezu lächerlichen Auswüchsen bei administrativen Abläufen und Regeln. Aber nicht nur das Binden ist wichtig, sondern auch, sich und seine Vorzüge für neue Talente ins rechte Licht zu rücken.  



Gutes Stichwort: Wie müssen Arbeitgeber heute auftreten, um interessant zu werden?


Wegkommen vom Einerlei! Zeigen, wie man tickt und was man zu bieten hat. Und Klartext reden bzw. schreiben. Und ganz wichtig: Etwas mehr Leidenschaft in das Werben um neue Talente wäre nicht schlecht, gewürzt mit einer Prise Frechmut, also dem Begehen neuer Wege. Spannend: Alle wollen Talente mit Engagement, mit einer eigenen Meinung, ja sogar Querdenker werden gesucht – um sie wird aber total langweilig und ohne jeden Esprit geworben. Das passt einfach nicht. 


Was sollte der erste Schritt in Richtung Personalgewinnung sein?


Indem man hinterfragt: Seinen Auftritt, den Informationsgehalt, die Möglichkeit, einfach zu weiteren Informationen zu kommen, den Bewerbungs- und Auswahlprozess. Noch zu oft haben Arbeitgeber die eigene statt die Bewerberbrille an. Würde man wechseln, käme man sehr schnell auf die Punkte, die angepackt werden müssten. Dafür braucht es weder Algorithmen noch Big Data oder künstliche Intelligenz – eine Prise Kundenorientierung und jede Menge gesunder Menschenversand wirken Wunder. 

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