Wie Sie verhindern, dass aus dem Miteinander ein Gegeneinander wird

Rechthaben nimmt in unserer Gesellschaft einen erschreckend hohen Stellenwert ein. Kennen Sie die „Tribalisierung der Öffentlichkeit“? So nennt die Soziologie das Phänomen, dass im Namen einer Gruppe eine Aussage getroffen oder etwas eingefordert wird (z. B. die Lohnerhöhung der Lokführer), was sich der Einzelne im eigenen Namen nicht getraut hätte oder schambehaftet unter den Tisch gekehrt worden wäre. Man kann es auch Stammesdenken nennen. Stammesdenken hat trotz aller inhaltlichen Unterschiede ein besonderes Merkmal: Das Trennende wird betont, das Verbindende untergraben. Es geht nicht um Gleichheit (der Chancen, der Fairness, etc.), sondern um bewusst herbeigeführte Ungleichheit.

 

Ich spreche hier nicht von Mannschaftssport, in der sich eine Gemeinschaft von einer anderen abgrenzt – denn hier gelten auf dem Spielfeld die gleichen Regeln für alle. Ich spreche von gespaltenen Unternehmen, in denen die interne Kooperation auf der Strecke bleibt. Dann nämlich wird es gefährlich, wenn zwischen Mitarbeitern oder Arbeitsteam Wettbewerb herrscht. Wenn nicht mehr der Kundennutzen und die Kundenzufriedenheit an erster Stelle stehen, sondern plötzlich Standort A gegen Standort B antritt oder der Vertrieb der Produktion absichtlich eins auswischt, indem zu viele Orders auf zu wenig Kapazitäten treffen. Das können Männer sein, Frauen in Führungspositionen für ungeeignet halten oder Frauen, die Männern Inkompetenz in Teammeetings unterstellen. In so einem Momentum sind alle damit beschäftigt, ihre Stammesinstinkte zu schärfen und die Gräben noch tiefer auszuheben. 

 

Je turbulenter die Zeit, desto stärker prägt sich Stammesdenken aus. 

 

Man will Schutz, Ruhe, die einfache Sicht der Dinge, das Ende der Ambivalenz. Schauen wir nur auf die Politik: Einfache Antworten trösten die Verunsicherten – auch wenn hinter den Aussagen nicht viel zu finden ist. So groß ist das Bedürfnis nach Eindeutigkeit. Das Dumme an diesen urteilsgetriebenen „Rechthaben-Gemeinschaften“ ist, dass sie das Potenzial für Konflikte unnötig weiter erhöhen. Es kommt zu Grenzüberschreitungen. Die Inständigkeit des Rechthabens verdrängt die Anständigkeit des Handelns.

 

Was Sie für ein Füreinander & Miteinander tun können

 

Wenn Sie verhindern wollen, dass das Miteinander in Ihrem Unternehmen in ein Gegeneinander kippt, woran denken Sie? An Abkühlung, Mäßigung? Folgende Vorgehensweisen und Instrumente sind mir eingefallen, derer Sie sich gern bedienen dürfen:

 

  1. Bauen Sie alle Strukturen ab, die Egoismus und Rücksichtlosigkeit stimulieren könnten; zum Beispiel Boni für Einzelleistungen. Nichts sollte vom gemeinsamen Unternehmensinteresse ablenken.
     

  2. Schaffen Sie Zeit und Raum für Austausch. Weg mit Silodenken und Filterblasen: Schaffen Sie Gelegenheiten, die Lebenswirklichkeiten verschiedener Unternehmensbereiche miteinander in Kontakt und gegenseitige Inspiration zu bringen.
     

  3. Achten Sie in der Personalauswahl auf Menschen mit möglichst breitem Bildungshintergrund. Schaffen Sie eine Plattform zur Weiterbildung in der konstruktiven, gemeinsamen Lösungsentwicklung. Der Umgang mit unterschiedlicher Weltanschauung sollte ein prominenter Bestandteil Ihrer internen Workshops werden.
     

  4. Konfrontieren Sie sich und Ihr Arbeitsteam bewusst mit Kritikern und holen Sie fachfremdes Feedback ein.
     

  5. Bauen Sie Ihr Unternehmen oder einzelne Task Forces um Problemstellungen herum. Denken Sie Ihre Prozesse von außen (außerhalb des Unternehmens) nach innen und vermeiden Sie dabei die Verteidigung interner Strukturen.


Wenn Sie für Ihre interne Lösungsfindung eine neutrale und wertschätzende Moderation suchen, fragen Sie mich gern!
 

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