Warum wir aus Gesprächen wieder echten Dialog machen sollten

Überzeugung ist gut. Wer jedoch glaubt, die einzig richtige Wahrheit zu kennen, liegt daneben. Kennen Sie das aus beruflichen Gesprächen mit Geschäftspartnern, Kollegen, vielleicht auch aus Mitarbeitergesprächen? Wer eine eigene Wahrheit voraussetzt, die angestrebt werden muss, kann oder soll, steht schnell allein da. Denn – entgegen aller Wissenschaft, die ja auf die Möglichkeit von Wahrheit angewiesen ist – kann persönlich erlebte Wahrheit nur ein Irrtum sein. Unser Leben baut darauf auf, dass wir die Wahrheit immer suchen werden. Einer meiner Lieblingsautoren, Reinhard K. Sprenger, schreibt, „... die Stimme der Wahrheit schweigt; es sprechen nur ihre Interpreten.“ Ich sehe das genauso, weil jeder eine andere Weltanschauung hat. Doch allzu festgefahren sollten wir – jeder von uns – darin nicht sein.

 

Wer eine Weltanschauung hat, muss die Welt nicht anschauen.

 

Wer in einem Gespräch, einem Konflikt etwas Absolutes voraussetzt, zerstört die Selbstverantwortung. Was originär Orientierung und Halt bieten soll, führt durch zu klare Definition in ein neues Unterfangen, nämlich um das Rechthaben. Dies macht ein ergebnisoffenes Gespräch unmöglich. Letzteres bedarf eines echten Dialoges.

 

Was wir brauchen, ist Konsens im Dissens.

 

Es ist unmöglich, sich zu verständigen, wenn mit Verständigung Einvernehmen gemeint ist. Zwischen zwei Menschen wird immer eine kleine Lücke bleiben, die grob gesagt die Verständigung über das Nicht-Verständigbare und damit die persönliche Weltsicht offen lässt. Auch wenn das im beruflichen Kontext schwer erfüllbar scheint, wird diese Lücke nie ganz schließbar sein. Niemand braucht die Position des anderen zu übernehmen. Aber wir sollten erkennen, dass wir alle von unterschiedlichen Standpunkten her kommen und dass es zwischen unseren Standpunkten einen Ort gibt, an dem wir uns treffen können, solange wir im Dialog bleiben.

 

Im Unterschied zur Diskussion, in der es um einen Wettbewerb der Argumente geht, bleiben wir im Dialog neugierig und offen, die Erfahrungen der anderen kennenzulernen. So wächst aus dem Widerstand der unterschiedlichen Beobachtungen eine gemeinsame Realität. Wir betreten ein Erkenntnis-Reich – indem wir mehrere Welt(sicht)en miteinander verbinden. Dafür müssen wir auszuhalten lernen, dass wir nicht das in unseren Augen perfekte Ziel anstreben, wenn wir auf einem gemeinsamen Weg sind. Aber wir können das Machbare erreichen. 

 

Wenn Sie mit Ihren Mitarbeitern in einen echten Dialog gehen wollen und gemeinsam eine neue Lösung anstreben, dann können Ihnen diese Empfehlungen eine wertvolle Hilfe sein:

 

•    Laden Sie offen zum Gespräch oder besuchen Sie Ihren Mitarbeiter/Projektpartner mit einer neu-gierigen Haltung. Wo können Sie sich durch Zuhören bereichern lassen?

•    Prüfen Sie, in welchen Punkten Sie umkehrbar kommunizieren können: „Was ich Ihnen jetzt sage, könnten Sie mir genauso sagen.“

•    Wenn Sie sich dabei ertappen, mit eigenen Glaubenssätzen oder Vorurteilen unterwegs zu sein, legen Sie sie offen und erkennen Sie an, dass auch andere ihre Glaubenssätze haben. Gehen Sie gleichberechtigt mit diesen „Ausgangspunkten“ um. (Jeder hat Glaubenssätze, sie definieren ihn aber nicht in seinem Sein.)

•    Achten Sie darauf, statt zu widersprechen die Sätze Ihres Gegenübers zu ergänzen. Damit bleibt die Augenhöhe zwischen Ihnen bestehen und niemandes Aussagen werden abgewertet.

•    Bedenken Sie, dass es nicht ums Überzeugen, Durchsetzen oder Richtigliegen geht, sondern um einen offenen Dialog, aus dem ein gemeinsames Ergebnis (Ziel) hervorgehen soll.

•    Schließen Sie machtgestützte Entscheidungen aus und kombinieren Sie die treffenden Argumente zu einer sinnvollen Konsequenz.

 

Das kulturell und zukunftsbezogen Gefährlichste, was in Unternehmen stattfinden kann, ist, verschiedene Ansichten zu homogenisieren, bis alle dasselbe denken, glauben und tun. Freiheit im Sinne wirklich zukunftsorientierter Lösungsansätze erlaubt die Erweiterung von Blickfeldern, eröffnet neue Möglichkeiten und macht viel mehr Handlungsspielraum sichtbar als man vorher erahnen kann. 

 

Wenn Sie bei der gemeinsamen Lösungsfindung Unterstützung wünschen, moderiere ich gern Ihr Projektteam, Ihr Abteilungs-Meeting oder Ihre konfliktbehaftete Arbeitsgruppe. Kommen Sie jederzeit gern auf mich zu.

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