Mitarbeiterführung: Loyalität ist Grundlage für langfristigen gemeinsamen Erfolg

Wollen Sie kurzfristigen Erfolg schreiben, so reicht vielleicht ein kleiner Vertrauensvorschuss. Doch wenn wir langfristig erfolgreich sein wollen, dann brauchen wir in unseren Teams und Netzwerken mehr. Je mehr Faktoren unsicher oder unbekannt sind, fallen vielen Menschen die Zuversicht und das Vertrauen schwer. Gerade wenn wir Entscheidungen treffen müssen, ohne das große Ganze zu durchblicken, braucht es neben dem guten Glauben auch ein Commitment. Eine Verbindlichkeit, die uns miteinander weitergehen lässt, eine Bereitwilligkeit ohne Gewähr. Ich nenne das Loyalität.


Kennen Sie diese wertvolle, weiche Währung in Unternehmen jenseits von Kennzahlen und Budgets? Alle Geschäfte und Kooperationen setzen Vertrauen voraus. Informationen fließen aus Vertrauen. Kunden kaufen aus Vertrauen. Doch sobald es um Zugeständnisse geht, wenn die zunehmende Komplexität mehr als Vertrauen erfordert, brauchen wir eine loyale Grundlage, eine loyale Kultur des Miteinanders, des gemeinsamen Durchhaltens und Voranschreitens.


Martin Schweer, Professor für Pädagogische Psychologie und Leiter des Zentrums für Vertrauensforschung an der Universität Vechta, sagt: „… alles wird undurchschaubarer, das erhöht unsere Unsicherheit. Je komplexer eine Gesellschaft wird, desto mehr brauchen wir das Vertrauen, um sagen zu können: Es gibt Menschen und Systeme, denen ich Dinge anvertrauen kann, weil diese damit gut umgehen können.“  


Doch immer seltener reicht unsere Zeit heute aus, um aus anfänglichem Vertrauen allmählich eine loyale Basis und Zusammenarbeit aufzubauen. Der Soziologe und Systemtheoretiker Niklas Luhmann fasst es so zusammen: „Wenn alles Mögliche und manchmal auch Unmögliche passieren kann, dann ist es für uns alle einfacher, wenn wir uns zumindest darauf verlassen können, dass wir uns grundsätzlich gegenseitig vertrauen (...). Damit hängt viel von unserer inneren Grundhaltung ab.“ 


Erfolgreiche Führung schafft durch ein hohes Vertrauensniveau eine loyale Zusammenarbeit


Insbesondere beim Führen von agilen Teams, ob im Kleinunternehmen, im Mittelstand oder in Konzernen, ist Loyalität, die erst nach der Vertrauensbasis entsteht, ein Schlüsselkriterium. Führung gewinnt durch ein hohes Vertrauensniveau erst die loyale Kultur, die uns langfristig erfolgreich macht. 


Es gibt Menschen, also auch Mitarbeitende, die vertrauen blind. Ein tiefes Urvertrauen zu allem und jedem prägt sie. Und dann gibt es Menschen, die nichts und niemandem ihr Vertrauen schenken. So unterschiedlich die Ausgangspunkte auch sein mögen, eines verbindet uns alle: Tiefe Emotionen begleiten unser Leben. Auf der einen Seite Zuversicht, Optimismus und Begeisterung. Auf der anderen Seite Angst, Hilflosigkeit und empfundene Ohnmacht. Wollen wir ein loyales Miteinander entwickeln, muss unsere Führung diese Aspekte berücksichtigen.


Wie viel Loyalität prägt Ihre Führung?


Nehmen wir Führung als ständige gegenseitige Beeinflussung wahr, sollten wir uns auch unserer „sozialen Buchführung“ bewusst sein. Gäbe es ein Vertrauens- und Loyalitätskonto in Ihrem Unternehmen: Wann und wie zahlen Sie auf dieses Konto ein? Wann und womit heben Sie etwas davon ab? Zahlen Sie stets mehr auf dieses Konto ein als Sie abheben, damit es wachsen kann? Was mit dem Aufbau einer nachhaltigen Kultur einhergeht, ist die Bereitschaft der Führungskraft selbst, mutig zu sein, zur eigenen Haltung und dem (Führungs-)Verhalten zu stehen und mit Einfühlungsvermögen auf die Mitarbeitenden zuzugehen. Diese Führung braucht Mut, sich auf Beziehungen einzulassen und Mitarbeitenden Vertrauen zu schenken und eine loyale Basis zu bieten. 


Unabhängig von der unterschiedlich stark ausgeprägten Vertrauensbereitschaft jedes Mitarbeitenden sind diese Maßnahmen sinnvoll, um Loyalität als Ressource grundsätzlich auf- und auszubauen: 


1. Erhöhen Sie Ihre Selbstreflexion
Erst wo Vertrauen besteht, kann Loyalität wachsen. Fragen Sie sich bei Neuzugängen und dem bestehenden Team nach Ihrer Beziehungsqualität: Was verstehe ich unter Loyalität? Welche Erwartungen habe ich an eine loyale Zusammenarbeit? 


2. Machen Sie den ersten Schritt
Nutzen Sie als Führungskraft proaktiv Ihre Machtposition, indem Sie Ihr Team positiv ermächtigen. Dies schafft mehr Vertrauen als Grundlage für Loyalität und zeigt Sie zugleich als Vorbild.


3. Kommunizieren Sie auch informell
Der in Unternehmen vorgegebene Rahmen erschwert es manchmal, über bestimmte Dinge frei zu sprechen; eine offene Kommunikation ist nicht immer möglich. Deshalb ist es ein wichtiges Signal für Mitarbeitende, wenn Sie als Führungskraft die Chance ergreifen, sich auch einmal spontan auszutauschen – einfach nur von Mensch zu Mensch.


4. Halten Sie sich immer wieder Ihre faire Haltung und Verhalten vor Augen.
Auch Führungskräfte machen Fehler, schließlich sind sie auch nur Menschen. Dann heißt es vor allem, diese nicht zu vertuschen, sondern dazu zu stehen. Gerechte Beurteilungen anderer und eigene Zusagen einzuhalten wird von Mitarbeitenden als fair empfunden und sorgt dafür, dass die eigene Vertrauenswürdigkeit nicht in Frage gestellt wird. 


Der Teufelskreis der Inkongruenz


Bei Führungskräften hängen Authentizität und Glaubwürdigkeit eng mit der Vertrauenswürdigkeit zusammen, wenn es darum geht, Mitarbeitende für sich und ihre Anliegen zu gewinnen. Sind Vorgesetzte nicht kongruent, spüren Mitarbeitende das meist sehr schnell. Sie sind verunsichert, ihr Vertrauen schwindet. Die Folgen auf Misstrauen sind, dass vorgegebene Richtungen angezweifelt, Anweisungen nicht mehr befolgt, Strategien grundsätzlich in Frage gestellt werden. Welches Unternehmen kann sich das erlauben?  


Die Grundlage für Loyalität und Engagement ist Vertrauen


Je zuverlässiger und korrekter sich Führungskräfte verhalten, desto höher ist ihre Glaubwürdigkeit und umso stärker und schneller wachsen Vertrauen und Loyalität auf Seiten der Mitarbeitenden. Die Qualität der Führung trägt also einen erheblichen Teil dazu bei, eine loyale Kultur im Unternehmen zu etablieren und Zukunftsstrategien darauf auszurichten. Entscheidend ist am Anfang, wie viel Vertrauen den Mitarbeitenden entgegengebracht wird. Denn das ist die Grundsteinlegung für eine gelebte, loyale Kultur – und für erfolgreiche Zusammenarbeit.

 

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