Warum erfolgreiche Führung emotionale Agilität braucht

Wenn wir uns die Frage stellen, welche Faktoren erfolgreiche Führung ausmachen, finden wir eine 2018-er Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen, die anhand einer Befragung von 10.000 Führungspersonen fünf Indikatoren erfolgreicher Führung ausmachen konnten. Diese sind Aufmerksamkeitssteuerung, Selbstvertrauen, vorausschauende Planung, Selbstdisziplin und Emotionsmanagement. Insbesondere die Reflexion von Emotionen, die auf den essenziellen menschlichen Ressourcen Mitgefühl und Kooperation aufbaut, wird als ungenutzte Quelle neuer Zusammenarbeit, nachhaltiger Wirtschaftlichkeit und menschenorientierter Zukunftsprägung (Vogel und Forster, 2019) gewertet. Das spiegelt auch meine Erfahrung wider: Wie viele Generationen von Mitarbeitern kenne ich die Wutausbrüche von (männlichen) Vorgesetzten. Solche unverhältnismäßigen Reaktionen sind ein klarer Indikator dafür, dass die Führungskraft nicht über emotionale Agilität verfügt, sondern Opfer ihrer eigenen Gefühle ist. Dummerweise wurde diese Art von Kontrollverlust, die auf nicht verarbeiteten emotionalen Altlasten beruht und mit Härte regiert, gesellschaftlich akzeptiert. 


Doch so darf und sollte Führung sich nicht äußern. Wer emotionale (Alt-)Lasten mit sich herumträgt, muss sich bewusst machen, dass damit eigene Kraftressourcen, mentale Arbeit, für etwas reserviert wird, das neue Ideen und Offenheit für andere Blickwinkel unnötig hemmt. Erst durch den bewussten und produktiven Umgang mit der Veränderlichkeit von Gefühlen werden unsere Arbeitsspeicher kognitiv entlastet. Dieses Emotionsmanagement fordert allerdings ein kontinuierliches Forschen und bewusstes Wahrnehmen, mit dem Ziel, Gefühle in einer angemessenen Dosierung einsetzen zu können. Aus diesem Grund stufe ich Führungstrainings auch nur dann als erfolgversprechend ein, wenn diese Art der Reflexion, eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit sich selbst, damit einhergeht. Was die Forderung nach agilen Prozessen betrifft, muss daher zuerst nach der emotionalen Agilität geschaut werden, bestätigt auch Kommunikationstrainer und Mediator Jones Kortz.


Auch Gefühle müssen geführt werden


Bei emotionaler Agilität geht es also darum, stets präsent im Moment zu sein, innezuhalten und sich des eigenen Umfelds gewahr zu werden. Die Führungskraft der Zukunft schafft also ebenso eine Nähe auf emotionaler Ebene und damit eine Art Gefühlstransparenz – von sich aus und innerhalb des Teams. Auch auf diese Weise entsteht Autorität. Denn eine empathiefähige Führungskraft hält den Kontakt auf einer wirksamen Ebene, indem sie in hohem Maße Perspektiven wechseln und anderen mit einem gesunden Einfühlungsvermögen begegnet. 


Führung ohne Fühlen ist passé!


Wer ein Meister in emotionaler Agilität werden will, tut gut daran, sich selbst gut zu kennen und zu wissen, wann es sinnvoll ist, die eigenen Gefühlskräfte auszuspielen. Sich dieses Verhältnisses zwischen uns und unseren Gefühlen bewusst zu werden, kann über zwei Perspektivenwechsel erfolgen: Wer Gefühle wahrnimmt und denkt: „Ich fühle mich..., weil du...“, fixiert sich auf den Gegenüber und ist nicht im Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen. Hier wird passiv reagiert, Verantwortung und Macht über die Situation werden in dem Moment abgegeben. Mit der Rückbesinnung auf uns selbst und auf die Tatsache, dass wir zwar die Gefühle haben – aber nicht sie uns –, erlangen wir wieder in unseren natürlichen Kraftzustand. Das heißt nicht, dass „fühlendes Führen“ die rationale Ebene ausblendet, im Gegenteil. Wer sich darin übt, die eigenen Gefühle zu führen, hat letztlich mehr Zeit und Energie für freies und kreatives Denken. Es spricht also vieles dafür, dass zukünftig erfolgreiche Führungspersonen genau dieses Emotionsmanagement beherrschen, um Zeit und Kapazitäten für Lösungen in komplexen und disruptiven Arbeitswelten freizuhalten.


Ich erlaube mir, hier anzufügen, dass es im Schnitt gerade Frauen sind, die beweglicher und erfolgreicher darin sind, ihre Gefühle so einzusetzen, dass sie sich produktiv auswirken. Und dass gerade bei diesen Soft Skills männliche Führungskräfte großen Nachholbedarf haben. Das fanden zumindest Salwender und Schöl in 2019 heraus. Zu ihrer inhaltlichen Kritik zählte die Vernachlässigung der Situation und des Reifegrades der Personen. Was erfolgreiches Führen jedoch definitiv verhindert – egal, bei welchem Geschlecht – sind fehlende persönliche Integrität, Entscheidungsschwäche, mangelnde Kommunikation, keine klare Prioritätensetzung sowie eine zu große Machtdistanz zum Team.


Für Ihren Praxistransfer empfehle ich Ihnen also, sich noch mehr auf Ihre Bedürfnisse und die Bedürfnisse der Menschen in Ihrem Team einzulassen, denn gute Führung kennt kein Ego. Wenn Sie Ihre Eigenreflexion um ein konstruktives Feedback ergänzen und damit Ihren Führungsprozess beschleunigen wollen, lade ich Sie herzlich ein, ein Einzelcoaching bei mir wahrzunehmen. Hier fließen nicht nur kommunikative Grundregeln und Tools fürs Gefühlsmanagement ein, sondern auch NLP-basierte Methoden für eine qualitativ höherwertige Mitarbeiterkommunikation.

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