Beschäftigte fordern Arbeit mit Sinn - zum Wohle aller

Ein Job, der gleichzeitig Geld bringt und der Welt, mir selbst oder meinen Kollegen etwas Gutes tut – das ist der Job der Generation Y. Das ist auch im Sinne der Arbeitgeber, denn: Empfindet ein Angestellter seine Arbeit als sinnlos, ist er deutlich öfter krank. Ein Plädoyer für mehr Sinnhaftigkeit bei der Arbeit.

Gerade jüngere Beschäftigte arbeiten heute nicht (mehr) nur, um Geld zu verdienen und im Zweifel das Vermögen des Firmeneigentümers weiter zu mehren. Sie wollen mit ihrer Tätigkeit auch die Welt ein Stückchen besser machen. Sie wollen einen Job, der Sinn stiftet.


Gleichzeitig haben viele Menschen in Deutschland den Eindruck, dass ihr Job sie krank macht. Laut AOK-Fehlzeitenreport 2018 klagen 52 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland über Rücken- oder Gelenkbeschwerden, 45 Prozent über Erschöpfung, 35 Prozent über regelmäßige Kopfschmerzen und etwa je 30 Prozent können nicht gut schlafen oder fühlen sich ausgebrannt. Mehr als die Hälfte der Befragten führt diese Leiden auf seine Arbeit zurück.


Das kann kein Arbeitgeber wollen: unglückliche und kranke Mitarbeiter, die infolgedessen weder wirklich produktiv noch kreativ sind… Wie kommen Sie aus diesem Schlamassel? Viele Arbeitnehmer halten eine sinnvolle Tätigkeit für ein gutes Gegenmittel, wenn nicht sogar das beste: 93 Prozent der Befragten ist es wichtig, im Beruf etwas Sinnvolles zu tun. Deutlich wichtiger als ein gutes Gehalt: das nennen nur 61 Prozent als eine Top-Priorität.


Der Fehlzeiten-Report belegt, dass sinnvolle Arbeit effektiv Fehlzeiten und Krankheit vorbeugt: Arbeitnehmer, die ihre Tätigkeit als sinnvoll empfinden, waren im Jahr 2018 durchschnittlich 9,4 Tage krank; solche, die wenig Sinn empfinden, waren mit 19,6 Fehltagen im Schnitt mehr als doppelt so lange krank(geschrieben). Leute mit sinnvoller Tätigkeit gestehen sich dann auch eher ein, krank zu sein, und schleppen sich seltener krank zur Arbeit.


Es steht also außer Frage, dass von sinnhaften Jobs sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer profitieren. Ob jemand seinen Job als sinnvoll empfindet, ist am Ende immer seine subjektive Einschätzung. Die Arbeitspsychologie hat aber drei verschiedene grobe Sinnquellen identifiziert:


Sinnquelle 1: Nutzen für die Allgemeinheit


Die Tätigkeit des Arbeitnehmers bringt als Teil der Firma einen wahren und spürbaren Nutzen für die Gesellschaft – und nicht nur Profit und im Zweifel noch Leiden für andere Menschen. Das Unternehmen setzt sich z.B. aktiv für die Einsparung von Treibhausgasen, die Umsetzung von Menschenrechtsverpflichtungen, die Verhinderung von Ausbeutung, Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen sowie Transparenz entlang der Wertschöpfungskette ein.


Die Nachhaltigkeit eines Unternehmens kann vor allem für die Generation Y mittlerweile ausschlaggebend bei der Wahl des Jobs sein. Sinn und Verwirklichung findet nicht mehr nur in der Freizeit, sondern auch bei der Arbeit statt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 würden 75 Prozent der US-Amerikaner sogar weniger Lohn akzeptieren, wenn sie stattdessen für eine sozial-ökologisch verantwortlich handelnde Firma arbeiten könnten. 9 von 10 finden Arbeit erfüllender, wenn diese direkten Einfluss auf gesellschaftliche oder ökologische Themen hat. Und je mehr einen seine Arbeit erfüllt, umso eher bleibt man auch dem Arbeitgeber treu: 8 von 10 fühlen sich ihrem Arbeitgeber mehr verbunden, wenn dieser aktiv nachhaltig handelt.


Eine Angestellte der deutschen Ferienwohnungskette Upstalsboom fasst das Ganze exemplarisch gut zusammen: „Früher habe ich hier gearbeitet, um Geld zu verdienen. Aber heute arbeite ich hier, weil wir mit dem Gewinn die nächste Schule in Ruanda bauen wollen. Ich habe noch nie so schön Betten gemacht und die Zimmer noch nie so liebevoll dekoriert. Ich möchte, dass jeder Gast sich hier so wohl fühlt, dass er uns überall empfiehlt, damit wir möglichst viel Gewinn machen und die nächste Schule bauen können.“ Was für eine Motivation!


Sinnquelle 2: eigene Weiterentwicklung


Der Arbeitnehmer entwickelt sich selbst durch seinen Job individuell weiter und kann sich selbst verwirklichen und/oder wird durch seinen Beruf immer wieder herausgefordert. Hat ein Mitarbeiter Freiräume und eigene Entscheidungskompetenzen, ist die Motivation automatisch höher. Ein abstraktes Ziel („der Gewinn soll dieses Jahr um 10 Prozent gesteigert werden“) motiviert nur wenig. Stattdessen braucht jeder Mitarbeiter ein konkretes Ziel, was gerade er – als Teil der Belegschaft, die sich als Gemeinschaft versteht – dazu beitragen kann.


Insbesondere jüngere Arbeitnehmer wägen ab, was sie – z.B. im Fall einer angebotenen Beförderung – „opfern“ müssten und ob Ihnen dieser Aufstieg in der Firma Einbußen an anderer Stelle wert sind. Hier kommen wir wieder zum Stichwort Work-Life-Balance. Oberstes Ziel ist nicht das maximale Gehalt, sondern maximale Lebensqualität – und die kann für jeden anders aussehen.


Stichwort „New Work“: Arbeitnehmer wollen spielerisch neue Ideen ausprobieren und der Arbeitgeber sollte dafür einen Rahmen schaffen, in dem der Mitarbeiter sich dem widmen kann, was er in seinen Leben erreichen möchte. Das geht dann auch gleich mit der Abschaffung klassischer Hierarchien einher.


Ein gutes Beispiel für die eigene Weiterentwicklung sind die vielen Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, z.B. in der Flüchtlingshilfe, als Fußball-Trainer oder im Hospiz. Ihre normale Arbeit fordert sie scheinbar nicht genug, und so suchen sie nach ergänzenden Tätigkeiten, wo sie sich frei „austoben“ können. Ehrenamt gibt das Gefühl, anderen Menschen zu helfen, und das ist sinnstiftend. Dieses Gefühl, wirklich gebraucht zu werden, kann auch bei der Arbeit Wunder wirken und Bäume versetzen.


Sinnquelle 3: gutes soziales Klima


Die wichtigste Sinnquelle ist das soziale Klima bei der Arbeit: So ziemlich jeder Befragte des Fehlzeiten-Reports möchte sich am Arbeitsplatz wohlfühlen, sich gut mit dem Vorgesetzen verstehen und von ihm wertgeschätzt werden. Nicht umsonst gibt es den Spruch, dass Mitarbeiter wegen der Arbeit (oder des Unternehmens) kommen und meistens wegen des Chefs wieder gehen.


Die allerwenigsten empfinden Sinn erst dann, wenn sie die halbe Welt auf den Kopf stellen. Vielen reicht es, nach getaner Arbeit zu sehen, was tagsüber geschafft wurde – und DASS etwas geschafft wurde. Viele Menschen beglückt tatsächlich eine hohe „Sicherheit“ bzw. Routine bei der Arbeit, sie machen gern jeden Tag das Gleiche. Aber sie brauchen dafür eine angenehme Arbeitsatmosphäre.


Fazit


Oft führt nicht zu viel Arbeit zum Burnout – sondern zu wenig Wertschätzung: Das Gefühl, gegen die eigenen Überzeugungen zu handeln und einen eigentlich sinnlosen Job zu machen. 


Von sinnvollen Jobs profitieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Sinn kann nur vermitteln, wer selbst weiß, warum er was tut. Dazu muss man mit anderen ins Gespräch kommen und sich definitiv etwas Zeit nehmen – aber es lohnt sich!


Natürlich sind betriebliches Gesundheitsmanagement, Fitness-Studios und eine schöne Büroausstattung wichtig. Aber Vorsicht: Werden hier nur die Symptome oder wirklich die Ursachen vieler Fehltage und allgemeiner Frustration bei der Arbeit bekämpft? Die Wurzel der Probleme ist oft, dass Arbeitnehmer ihren Job als nicht wirklich sinnhaft empfinden. Fragen Sie sie mal nach!


Quellen:
https://www.zeit.de/arbeit/2019-03/berufswahl-sinnvolle-arbeit-zufriedenheit-jobwechsel/komplettansicht
https://www.businessinsider.de/hirnforscher-huether-mitarbeiter-brauchen-sinn-keinen-kickertisch-2019-2
https://www.zeit.de/arbeit/2018-09/fehlzeiten-report-arbeit-zufriedenheit-gesundheit/komplettansicht
https://www.wuv.de/karriere/warum_sinn_fuer_unseren_job_so_noetig_ist?fbclid=IwAR17uPhWTBjwyfhuIPq--ijVyN-jFVCn093u_6igmRJzHaPGFFvdPMrR9Ds

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