Plötzlich Chef: So werden Sie ein guter Vorgesetzter

Niemand wird als perfekter Chef geboren. Egal ob man sich langsam hochgearbeitet hat, von außen neu ins Unternehmen kommt, als Gründer Leute einstellt oder die Nachfolge von den Eltern im Familienbetrieb übernimmt – für alle angehenden Chefs gibt es hier ein paar Tipps zu loyaler Führung:


Eine gute Führungskraft ist sich seiner selbst bewusst und reflektiert ihr Verhalten. Je besser Sie Ihre eigenen Werte kennen, desto besser können Sie sie Ihrem Team vermitteln. Zur Reflexion kann es hilfreich sein, über all die Führungskräfte nachzudenken, die Ihnen schon im Laufe Ihres Lebens aufgefallen sind – ob positiv oder negativ. Fallen Ihnen positive Ähnlichkeiten auf? Sehr gut! Fallen Ihnen negative Ähnlichkeiten auf? Dann denken Sie kurz darüber nach, warum Sie so handeln (welche positive Absicht dahinter steckt) und wie Sie sich in Zukunft noch zielorientierter verhalten können.


Ob Sie das mit sich selbst oder mit Hilfe einer außenstehenden Person machen, ist zweitrangig. Sich selbst zu hinterfragen ist essenziell für eine gute Führungskraft – fragen Sie sich, was für ein Chef Sie sein möchten und ob Sie selbst als Angestellter gern mit Ihnen zusammenarbeiten würden. Versetzen Sie sich in die Rolle jedes Teammitglieds hinein: Wird jeder fair behandelt? Wie stehen die Leute zueinander? Wie tickt das Team? Was macht Ihr Team einzigartig? Worauf sind die Teammitglieder stolz? Vor welchen Herausforderungen stehen Sie gemeinsam?


Denken Sie nicht (nur) über sich selbst und Ihren Workload nach, sondern haben Sie regelmäßig das ganze Team im Blick. Als Führungskraft haben Sie den Überblick, ob das Team dieses Jahr z.B. seine Ziele erreichen kann – wenn nicht, gehen Sie den Ursachen auf den Grund. Machen Sie niemandem Vorwürfe, sondern gehen Sie kooperativ die Lösung des Problems an.


Je besser man vorbereitet ist, desto sicherer fühlt man sich in der Regel. Deshalb ist eine gute Organisation (zumindest in der Anfangszeit) absolut zu empfehlen. Überlegen Sie sich, wie Sie den ersten Tag, die erste Woche und den ersten Monat gestalten möchten. Wie möchten Sie dem Team vorgestellt werden? Wann setzen Sie die ersten Mitarbeitergespräche an? Soll es am Anfang einen Team-Workshop geben? Mit einem groben Plan in der Hand bringt man Sie nicht so leicht aus der Fassung.


Natürlich gehört auch eine gute Portion Selbstbewusstsein zu einer Führungskraft. Sie haben diesen Posten verdient. Zeigen Sie das! Auch wenn Sie sich unsicher sind, sollte man Ihnen das nicht sofort anmerken können. Denn nur wenn das Team zu einem guten Leader aufblicken kann, wird sich das positiv auf die ganze Arbeitsatmosphäre und die Produktivität auswirken.


Gerade wenn man aus einem bestehenden Team heraus befördert wird, steht man oft vor dem Dilemma, dass man plötzlich formal nicht mehr gleichrangig mit den Kollegen ist: Gestern noch Kollege, heute Chef. Sehen Sie die Beförderung zunächst als Kompliment für Ihre gute Sacharbeit und gutes Verhalten – offenbar traut Ihnen jemand aus der Chefetage zu, führen zu können. Seien Sie allerdings gewarnt: Gute Sacharbeit geht nicht unbedingt mit Führungskompetenz einher. Die müssen Sie sich erst erarbeiten.


Scheitern wird, wer sich aufgrund seiner neuen Position übertrieben autoritär verhält. Aber auch, wer sich alles gefallen lässt und sich anbiedert, um es allen recht zu machen. Genau dieses Fingerspitzengefühl, um den Mittelweg zu finden, gibt hier den Ausschlag. Und eine besonders gefestigte Persönlichkeit – eine Persönlichkeit, die ihre Kraft aus dem Inneren und nicht zwangsweise aus einem harmonischen Außenverhältnis gewinnt. Ihr Charakter ist es, der anderen Menschen Respekt abgewinnt. Dafür müssen Sie klar Stellung beziehen, auch unbequeme Wahrheiten aussprechen, eine eigene Meinung haben und sagen, was Sache ist. Es geht außerdem darum, sich fair und berechenbar zu verhalten.


Auch wenn es Angst machen kann, das erste Mal Chef zu sein: Mit genügend Selbstreflexion – und das schon vor der eigentlichen Arbeitsaufnahme – ist alles machbar.


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