Loyalität im Arbeitsleben: Wunsch oder Forderung?

Der Begriff „loyal“ kommt eigentlich vom französischen Wort „legal“ im Sinne von „gesetzestreu“. Treue ist sicherlich auch heute noch ein wichtiger Aspekt von Loyalität. Weitere Schlagwörter, die wir mit Loyalität assoziieren sind z.B. Anstand, Aufrichtigkeit, Beständigkeit, Ehrlichkeit, Fairness, Geradlinigkeit, Integrität, Rechtschaffenheit, Solidarität, Verbundenheit, Zuverlässigkeit. Kurzum bezieht sich Loyalität auf eine innere Verbundenheit eines Menschen mit anderen Menschen oder mit einer Institution, welche idealerweise auf Gegenseitigkeit basiert. Kurz: Auf einen loyalen Menschen kann man sich verlassen und ihm vertrauen, weil auch er sich auf sein Gegenüber verlassen und ihm vertrauen kann.


Loyalität stellt sich in der Regel ein, wenn wir die gleichen Werte und Ansichten teilen und gemeinsam dafür einstehen. Das schweißt zusammen – loyale Menschen gehen miteinander durch dick und dünn, loyale Menschen unterstützen einander, auch wenn sich ihre Ziele nicht 100-prozentig decken. Das gilt für Partner im privaten Bereich genauso wie im Unternehmenskontext – und hier sowohl zwischen Kunden und Mitarbeitern als auch zwischen Mitarbeitern und Chef sowie zwischen den Mitarbeitern untereinander.


Auf wen man sich wirklich verlassen kann, zeigt sich leider oft erst im Ernstfall und offenbart dann den wahren Charakter einer Person. Dies kann der Fall sein, wenn jemand - wie ich damals - ernsthaft und längerfristig erkrankt oder einen privaten Schicksalsschlag erleiden muss. Als Arbeitgeber sollte man dann Verständnis zeigen, dass der Angestellte erst einmal Zeit für sich zum Verarbeiten des Geschehenen braucht und er deshalb vorerst weniger leistungsfähig ist. Genau das macht Loyalität von Arbeitgeberseite aus. Werden Angestellte so behandelt, werden sie das nicht vergessen, und sich beim Chef revanchieren, z.B. indem sie Überstunden am Abend oder am Wochenende leisten, wenn es erforderlich ist.


Wird unsere erwartete Loyalität jedoch nicht erfüllt, erleben wir das als besonders dramatisch: Es geht uns bereits schlecht, wir brauchen Hilfe – und dann verlässt uns auch noch der- oder diejenige, auf wen wir uns (fälschlicherweise) verlassen haben! Das einzig Positive ist dann, dass man so die wahrhaft loyalen Kollegen aussiebt. Und das zu wissen, ist ebenfalls viel wert.


Vorsicht: Als Vorgesetzter können Sie zwar Loyalität einfordern, aber sie lässt sich nicht erzwingen. Die Aufforderung wirkt geradezu kontraproduktiv: Loyalität wird als Druck oder Zwang und hohle Phrase empfunden – die Forderung verpufft und die Mitarbeiter verhalten sich zunehmend illoyal.


Woran erkennen wir nun einen loyalen Mitarbeiter? Klar, eine lange Betriebszugehörigkeit ist ein Indiz dafür, dass es dem Mitarbeiter hier gefällt und er loyal zur Firma und zum Chef steht. Es gibt da aber noch ein paar mehr Indikatoren: Loyale Mitarbeiter teilen die Ziele des Unternehmens und bringen sich aktiv ein, um diese zu erreichen. Sie reden nach außen hin nicht schlecht über ihren Arbeitgeber und vertreten ein positives Bild der Firma. Sie erledigen ihre Aufgaben motiviert und gewissenhaft und sind bereit, mehr als das Nötigste zu tun. Wenn sie dann doch die Firma wechseln (müssen) oder pausieren, teilen Sie das rechtzeitig mit, um eine geordnete Übergabe zu gewährleisten.


Was kann der Chef tun?


Wie gesagt, Loyalität ist keine Einbahnstraße. Deshalb gibt es natürlich auch Indizien für loyale Chefs und Unternehmen gegenüber ihren Angestellten: Diese zeigen regelmäßig Wertschätzung und Anerkennung und belohnen überdurchschnittliche Leistungen – auch monetär. Sie schaffen eine transparente Kommunikation und vermitteln klare Ziele und erzeugen dadurch eine positive Atmosphäre auf Basis von Fairness und Vertrauen. Darauf aufbauend, geben sie ehrliches und konstruktives Feedback und bleiben auch bei Fehlverhalten oder Fehlleistungen fair. Um schwache Mitarbeiter kümmern sie sich besonders und fördern deren Potenziale. Sollte es dann doch zu einem Personalabbau kommen, sorgen loyale Chefs durch eine gute Trennungskultur für sozial gerechte Lösungen.


Damit ein Mitarbeiter sich gegenüber seinem Arbeitgeber loyal verhält, sollte Letzterer den ersten Schritt machen: Nur wenn der Mitarbeiter sich gut aufgehoben fühlt, wird auch er seinem Unternehmen etwas zurückgeben.


Weitere Hintergrundinformationen, warum die Mitarbeiterloyalität in den vergangenen Jahren eher ab- als zugenommen hat, erfahren Sie in diesem Artikel.

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