Wie kann die Unternehmensnachfolge kommunikativ vorbildlich gestaltet werden?

Nils Koerber ist Unternehmer, Betriebswirt, zertifizierter Coach, Mediator und Trainer für Nachfolgeprozesse in Familienunternehmen. Nach eigener Übernahme des familiären Handels- und Dienstleistungsunternehmens hat er in 2004 K.E.R.N. - die Nachfolgespezialisten neu gegründet und begleitet heute mit seinem Team an über 20 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz Prozesse im Mittelstand.

Wie kann die Unternehmensnachfolge kommunikativ vorbildlich gestaltet werden?

Wir unterscheiden in der Nachfolge die „inneren“ und „äußeren“ Prozesse. Im Inneren einer Firma gilt es, zu Beginn nur die allerengsten Familienmitglieder und ggf. Führungskräfte in den Prozess mit einzubeziehen. Wenn überhaupt. Dies ist im Einzelfall sehr genau abzuwägen, um Unsicherheiten und Ängste zu vermeiden.
Wenn jedoch ein Prozess in der Nachfolge erfolgreich abgeschlossen ist, dann sind immer zuerst die Mitarbeiter und die direkt Betroffenen im Umfeld einer Unternehmung zu informieren. Dazu gehören nach den Mitarbeitern auch Banken, Lieferanten und Kunden. Parallel bzw. zeitnah sollte dann die Öffentlichkeit generell über die wichtige Nachfolgesicherung informiert werden.
Medien berichten gerne über Erfolgsfälle in der Nachfolge und dieser wichtige Marketingbaustein wird nur selten genutzt.

Worin sehen Sie die größte Hürde bei Unternehmensnachfolgeprozessen?

Die größte Hürde sind häufig die Akteure selbst. In erster Linie die Übergeber, weil es ihnen wirklich schwer fällt, diese „Liebesbeziehung“ nach Jahrzehnten der Verbindung mit Freude loszulassen. Manch ein Übergeber sieht sich über den innerfamiliären oder externen Nachfolger auch selbst in Frage gestellt. "Warum kann der das ebenso gut oder sogar noch besser als ich selbst?"
Und es gibt auf der Faktenebene große Herausforderungen für eine gelungene Kaufpreisfinanzierung. Diese folgen jedoch erst nach der emotionalen Hürde.

Nachfolgeprozesse betreffen meistens nicht nur verschiedene Unternehmenskulturen, sondern auch Generationen. Auf welche Fragestellungen treffen Sie bei Übergebern klassischerweise?

Wer bin ich eigentlich nach der Übergabe? Was mache ich dann und worauf freue ich mich? Was erwarte ich eigentlich wirklich von meinem Nachfolger? Reicht der materielle Erlös sicher für meinen neuen Lebensabschnitt? Werden die Mitarbeiter auch weiterhin einen sicheren Arbeitsplatz haben?

An einem bestimmten Punkt sollte sich der Übergeber eines Unternehmens seinen Mitarbeitern anvertrauen. Wie kann die interne Kommunikation vor und während des Übergabeprozesses optimal laufen? Mit welchem Ziel?

Wichtig ist an erster Stelle: Mitarbeiter müssen es zuerst und direkt von Ihrem Chef erfahren.

Und dabei ist es auch wichtig zu erläutern, warum nicht schon vor Monaten oder Jahren der erfolgte Übergabeprozess offen kommuniziert werden konnte. Es geht um Klarheit und Transparenz. Das wird dann auch honoriert. Ziel ist immer das Vertrauen der Mitarbeiter zu erhalten und für die weitere Zukunft mit dem Nachfolger zu verbinden.

Welche Rolle übernimmt die Unternehmenskommunikation nach der erfolgreichen Unternehmensübergabe? Welche Empfehlung geben Sie Übernehmern in Hinblick auf die weitere Mitarbeiterkommunikation?

Die Unternehmenskommunikation kann - professionell aufgesetzt - ein hohes Potenzial an direkter Werbung für die Übergabe bewirken. Gerade in den aktuellen Zeiten, mit der schwierigen Nachfolgersuche und dem fortschreitenden Sterben von Firmen in der Nachbarschaft, freuen sich die Medien, ihren Lesern, Hörern und Zuschauern eine so gute Nachricht der Bestandssicherung übermitteln zu dürfen.
Also kein Aufwand im Sinne von Anzeigenwerbung u.ä., sondern lediglich die professionelle, umfassende und gut formulierte PR für das Unternehmen selbst bewirkt eine hohe öffentliche Wirkung.

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